Kapitel 4:  Irrungen, Wirrungen

Du kennst es sicher auch, Du schläfst an einem fremden Ort, kennst Dich nicht aus. Ins Bett bist Du leicht promillegeschwängert gekommen und dann musst Du nachts auf die Toilette. Die natürlichste Sache der Welt. Schade nur, dass Du eben nicht daheim bist. So ist es schon vorgekommen, dass des Nachts jemand nackt am Fronst Office stand und nicht wusste wie er wieder in sein Zimmer kommt. Und welches sein Zimmer ist. Und natürlich haben alle Zimmer ein Bad im Zimmer. Nichts was auf dem Flur ist oder die Treppe tiefer.  So weit ist es ja noch lustig, zumal man schnell helfen kann. Was aber, wenn in der Zwischenzeit die zweite Person im Zimmer von innen alles verrammelt hat? Kommt nicht vor, denkst du? Ha, nicht nur einmal. Aber einmalig war dann, dass die zweite Person, Typ aufgemotzte Zweitfrau a la RTL II, seine Sachen mal gepflegt aus dem Fenster geworfen hatte. Von den Klamotten, über Koffer, Handy, Laptop, einfach alles. Innerlich feierst Du es derbe ab. Nach außen hin bist Du aber mitfühlend und versuchst die Lage irgendwie zu entschärfen.

Es kam auch mal vor, dass eine Frau wohl einen Kontrollanruf auf dem Zimmer ihres Mannes tätigte, der Gast aber wohl nicht im Zimmer war. Hotelrestaurant oder Bar, vielleicht auch Gym oder Sauna nutzend, was auch immer. Man muss ja nicht auf dem Zimmer bleiben, oder? Wenn aber eine aufgebrachte Frau dann aber knapp 150 km mit dem Auto  fährt um ihren Mann zur Rede zu stellen, dann … ja dann hast Du auch alles fürs Leben gelernt. Ende vom Lied. Der Gast war im Zimmer, hatte aber das Telefon ausgestöpselt, weil er wohl endlich mal seine Ruhe haben wollte. Wahrscheinlich von … .Köstlich, diese Menschen.

Aber schön ist auch, dass man, immer lieb nett und freundlich, die Gäste auch mal in die Irre führen kann. Es war an einem Sonntagmorgen, kurz nach 7 Uhr, und ein älteres Ehepaar kam in die Lobby und wollte ins Restaurant zum Frühstück. Leider mussten wir ihnen sagen, dass es Frühstück am Sonntag nur bis 7 gibt, weil die Angestellten dann ja immer zum Fischmarkt gehen, für die Woche einkaufen. Da blufft sie ihn an, warum er denn so lange aufm Klo war, jetzt gibt’s nichts mehr. Natürlich haben wir es sofort aufgeklärt und beide fingen herzhaft an zu lachen, dass auch wir mit einstimmen konnten. Hätte ja auch nach hinten losgehen können.

Verwirrt bin ich immer, wenn Dir jemand seine Lebensgeschichte erzählt. Abgesehen davon dass ich eigentlich arbeiten müsste und für so etwas mal grad keine Zeit habe, interessiert es mich nun auch absolut nicht. Aber was willst Du machen, wenn jemand auf Dich zu kommt, Dir seine Hand entgegen streckt und sagt: „guten tach, ich bin der herr böhm“? Scheinbar bin ich äußerlich so vertrauenswürdig, dass auch keine Hemmschwelle besteht. Glaub mir, bitte, schon oft haben mir die Ohren geblutet. Und was dann auch für Details aus dem Leben vor mir ausgebreitet wurden, willst Du gar nicht wissen. Und dabei sind es nicht mal die angetrunkenen Leute, die plötzlich sentimental werden und sich Dir offenbaren.

Aber es gibt ja auch noch ganz andere Verrückte. Ich meine, wenn jemand ein Taxi mietet, nicht für eine Fahrt, nein, für  eine ganze Woche. Dann aber vier von sieben Tagen nicht das Hotel verlässt, dann weißt Du auch bescheid. Und wenn Du gebeten wirst ein paar ellenlange handgeschriebene Zettel zu faxen, damit der Geheimdienst sich „der Sache“ annimmt, da fremde Mächte ihr Unwesen treiben und er einer großen Verschwörung auf der Spur ist, dann sendest Du kein Fax, bittest aber höflichst um eine Konsultation durch eine Fachkraft, dann lässt es Dich auch ein wenig verwirrt zurück.

Herr Jens