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onsen-tour 2015 (und schlübberautomat)
01.12.2015 20:59

hast du dich da auch nicht verschrieben? heiß es nicht ochsen-tour? nein, tatsächlich meine ich onsen-tour. und was es damit auf sich hat? nun gut, wenn du schon fragst.

onsen sind heiße quellen. und da haben sich die bäder (sento) angesiedelt, gerne auch mit übernachtungsmöglichkeiten. gerne auch in kombination mit ryokans. und dies trifft das bild japans, welches ich schon immer in meinem kopf hatte, ziemlich gut. siehe auch das video zu den makaken.

nun ja, zurück zu den onsen. ich hatte mich natürlich schon im vorfeld informiert. so auch die verhaltensvorschriften (und da gibt es eine menge davon) eingeprägt und dann trotzdem einfach losgestartet. das erste ziel war direkt in tokio. auf einer neuen künstlichen aufgeschütteten insel, odaiba. von shimbashi fährt eine vollautomatische (also ohne fahrer) bahn, die yurikamone-linie. und dies auch schön über die rainbow bridge, mit toller aussicht. lohnt sich unbedingt. und ich kann sagen, für einsteigerInnen ist das odaiba onsen ziemlich gut. es ist die mischung aus onsen und disneyland.

man kommt an, zieht seine schuhe aus. in ein schließfach damit. dann einchecken. man bekommt seinen eigenen umkleideschrank. einen yakuta. und dann gehts eigentlich schon los. wichtig ist nur, daß man nicht tätowiert ist, wenigstens nicht sichtbar. aber da ... , warten wir mal ab. man kann unterhöschen und unterhemd anbehalten, legt sich den yakuta um und bindet sich ein tuch um. dann geht man rein. und es ist auch alles mindestens 2- bis 3-sprachig. also japanisch, englisch und koreanisch. und warum sagte ich, daß es eine mischung aus onsen und disneyland ist? man wird fast erschlagen von verkaufsständen, fressbuden und all dem zeugs. alles links und rechts eines großen areals entlang. aber du mußt ja nichts kaufen. klar. und heißes und kaltes wasser und heißen grünen tee bekommst du eh immer kostenfrei. passt schon. aber dies ist eher hier so ein ort für familien, vielleicht einem kollegenausflug, fanclubtreffen. und wie gesagt, alle in ihrer unterwäsche und yakuta. und solltest du keine unterwäsche haben ... um mal mit der geschichte der schlüpferautomaten (siehe moderne formen) aufzuhören ...

du kannst also socken und boxershorts kaufen (dies war jetzt der automat in der männerumkleide), aber eben alles frisch und nichts getragenes. und es ist eben auch so, daß es diese automaten eben nicht gibt. vielleicht mal gab, aber das war mit den dinosauriern ähnlich.

zurück zum fanclubtreffen :-). also alle in unterwäsche und yakuta. man kann essen & trinken, auch bier. und kann spiele spielen und sich amüsieren. gemeinsame fußbäder nehmen (bei einigen wird dir von fischen tote haut abgefressen), auf heißen steinen liegen und auch massagen sind im angebot. japanische und thai und noch so allerhand. aber immer angezogen bzw. handtücher werden auf die zu bearbeitende stelle gelegt und dann massiert. und hier gibt es auch noch keine geschlechtertrennung. so weit der odaiba onsen. der eben etwas sehr speziell ist aber für einsteigerInnen recht gut.

kommen wir zum eigentlichen bad. und dies dürfte dann in allen onsen gleich sein. geschlechtertrennung. man bekommt ein handtuch und einen kleinen (einfach ausgedrückt) waschlappen in die hand. dann nimmt man sich einen kleines schließfach und packt dann sein handy, yakuta, unterwäsche und auch das handtuch rein. man nimmt nur den kleinen lappen mit und das adamskostüm, was du vor jahren schon ausgeliehen hast.

zuerst, und ich kannte es zum glück schon. ist da meist eine lange reihe an spiegeln, davor sind kleine hocker, daß wenn du dich hinsetzt, die knie deine ohren zuhalten könnten :-). und dort wäscht man sich gründlich. und ja, auch wenn du vorher daheim geduscht hast. es gibt meistens auch shampoo und duschgel usw.. entweder kommt das wasser aus dem wasserhahn und man füllt kleine bottiche aus einem heißen großen bottich oder es gibt auch einen duschschlauch dafür. aber immer darauf achten, daß du den nebenmann nicht mit deinem schmutzwasser triffst. und hier noch mal zu den nicht sichtbaren tätowierungen. hier ist alles sichtbar. und somit kann jemand mit einem tattoo eben nicht in ein onsen gehen. manchmal läßt es sich ja vielleicht überkleben (pflaster). aber selbst dies wird nicht gerne gesehen. kurz abspülen und rein ins vergnügen.

du hast nur deinen kleinen waschlappen (und ich meinte den aus stoff) und bist sonst nackt. aber das sind hier alle. und es ist völlig egal ob du jung oder alt bist, dick oder dünn, kurz oder lang. was auch immer. es interessiert einfach keinen. und ich kann dennoch sagen: nicht alle japaner sind klein :-D.

meist gibt es zwei, oftmals auch mehrere (ich nenne sie der einfachheit halber mal pools) pools mit heißem wasser. es gibt aber auch immer einen draussenpool. die anderen haben große panoramascheiben und man kann dann nach draussen sehen während man bei 40° und mehr im wasser liegt und einweicht. oftmals sind die heißen quellen sehr mineralisch. also man tut auch was gutes für den körper. aber ich finde, es ist einfach etwas total entspannendes.

und meist ist auch gleiche eine sauna dabei und ein pool mit kaltem wasser. reaktion dürfte bekannt sein. denn es ist dann wirklich kalt :-P. später, nach verschiedenen pools (auch einer mit whirlpoolfunktion war dabei) bist du echt durch. tiefenentspannt. dann kurz duschen und dann erst kommt dein handtuch in gebrauch. wieder in den yakuta und rumlaufen, tee trinken. schnacken.

bezahlt wird, auch wenn man extras hatte wie massagen, essen & trinken und so zeugs, wenn man das onsen verläßt. hier war der grundpreis bei (2450 ¥ = 18,76 € für den ganzen tag)

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und am nächsten tag sind wir mal rausgefahren. etwa 90min von tokio (bis bahnhof musashi-itsukaichi fahren, dann weiter mit dem bus) entfernt ist das akigawa-tal. hier also ein anderer, eher traditioneller onsen (leider nur auf japanisch). und wäre ich alleine gewesen, ich hätte so meine probleme gehabt mich zu verständigen. obwohl ich bisher durch japan mit meinem englisch gut durchgekommen bin, auch mit händen und füßen rausgefunden habe, wenn mal jemand nicht ganz so gut englisch sprach, war es doch so, daß ich in diesem onsen eher probleme gehabt hätte. da sprach niemand englisch, nicht ein zeichen deutete auf ein schild in englischer sprache. und ich meine, es ist 90min von tokio entfernt. oder? aber ich glaube, gerade dies macht es so romantisch schön. aber zum glück hatte ich einen muttersprachler an der seite.

hier zeigt sich, schon bei der ankunft am bahnhof, wie ruhig und still der ort gelegen ist. dann mit dem taxi (hier fährt der bus nur einmal im jahr :-D) zum onsen. und dort angekommen, im tal von hohen bergen und hohen bäumen eingeschlossen, lag das onsen. keine touristenschwemme wie noch in odaiba. hier ist das haus auch noch aus holz, mit holzdach und holzsäulen/-streben bei den großen fenstern. wie im anderen onsen auch: schuhe aus, bezahlen (900 ¥ = 6,91 € für 3h), nur einen kleinen lappen bekommen und dann zur umkleide. kein yakuta, keine verkaufsstände. alles sehr spartanisch. oder anderes ausgedrückt: onsen, wie er sein soll.

dann wieder waschen und hier gab es nur zwei pools. einer drinnen (mit großem panoramafenster) und einer draussen (plus einem mit kaltem wasser für das nachsaunaabkühlungsbad). dort war auch die sauna. der pool reichte an den rand der klippe, dann ging es steil nach unten. und wenn man nach vorne sah, nur berge und hohe bäume vor einem. und jetzt, mit den sich färbenden blättern, der kühlen luft und der heißen quelle, irre. und wie irre muß es sein, wenn es dort schneit. es sich in weiß färbt und der schnee fällt und man in diesem heißen bad sitzt. das ist unbeschreiblich. und ich weiß auch, warum es so viele japaner gerne nutzen. und wenn du siehst, wie der wasserdampf in die kühle aufsteigt, wenn es abend wird, die sonne das tal verläßt und nur ein paar tradionelle lampen das bad erhellen, einfach unbeschreiblich.

klar, der japanische bürger schuftet halt auch derbe. bei 10 tagen urlaub im jahr braucht es auch einen ausgleich, der eben nicht 3 flugstunden entfernt ist sondern direkt um die ecke liegt. würde ich hier wohnen und arbeiten, ich würde es genau so machen.

also sauna genutzt, quellen genutzt. die romantische aussicht genossen. ein traum. ganz ehrlich. und jegliche hektik und anspannung löst sich.

es gibt auch ein kleines bistro. aber nicht direkt im bad und man kann erst hin, wenn man wieder ausgecheckt hat. also kein ding wie in odaiba.

die nächsten (beinahe noch) zwei wochen werde ich sicher nutzen um noch das eine oder andere onsen zu besuchen. zusehr gefällt es mir dort.

bilder in der slideshow. und nach dem bild 103,85 folgen die bilder aus dem akigawa-tal. (insgesamt sind es nur 44 bilder in der slideshow)

sich treiben lassen ...
freizeitspaß?

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