Kapitel 8:   was für eine Woche

Du kennst es auch, es gibt diese eine bestimmte Woche im Jahr, da wird das Hotel zum Treffpunkt für alle Nerver, Nullpeiler und Arschlöcher. Und genau in dieser einen Woche muss ich arbeiten.

Das Hotel ist die ganze Woche über komplett ausgebucht. Und das bei absoluten Höchstpreisen. Vielleicht ist es aber auch der Reiz, wenn großes Geld ausgegeben wird, dass dann auch die größten Arschlöcher auflaufen. Ich weiß es wirklich nicht. Aber in dieser einen Woche sind sie alle da.

Typ A, der Bauer aus der Pfalz. Steht am Front Office und will zwei Weingläser und einen Flaschenöffner. Knapp 15m weiter ist die Hotelbar, welche für solche Eventualitäten gewappnet ist. Aber nein, der Bauer will unbedingt, dass ich die Gläser aufs Zimmer bringe und die Flasche öffne. Nun ja, auch wenn ich keine Zeit habe, warum auch nicht. Bringe dem Gast also zwei Rotweingläser auf dem Tablett. Und öffne ihm die Weinflasche. Und was macht der Bauer? Er kann kein Tablett 2m weit tragen ohne dass die Gläser runterfallen. Eins ging kaputt. Und dann ging er schweigend vom Zimmer zur Bar und holte sich sein neues Glas. Naja, so hat er sich wenigstens vor seiner Bäuerin mal blamieren können, wie so oft wohl.

Typ B, knapp über 20, Flugbegleiter im Anfangsstadium, leicht angetrunken. Alles so weit kein Problem. Doch dann will er einen Shuttle buchen um vom Hotel zum Hauptbahnhof zu fahren. Wir fahren aber nur zum Airport und zurück. Und natürlich zur LH Basis. Er meinte aber, es steht so auf seinem Plan, so muss es also erfüllt werden. Selbst die logische Erklärung, dass es zeitlich nie hinkommen kann für Fahrten zum/vom Bahnhof zum/vom Hotel, dies wollte er nicht einsehen. Das Angebot, dass er vom Airport, wo wir ihn gerne hinfahren, mit der S-Bahn zum Hauptbahnhof fahren kann, war ihm nicht zu vermitteln. Mein Einwand, dass selbst die Obermacker seiner Airline diesen Service so nicht in Anspruch nehmen können, es war ihm egal. Und was macht der Newbie? Ruft mitten in der Nacht bei seiner Crewreisestelle an und will es geklärt haben. Man konnte beim Zusehen schon merken, wie ihm gehörig der Marsch geblasen wird. Es ist ja nicht so, dass ich es nicht schon vorher gewusst hätte, wie das Thema ausgeht. Aber bitte sehr, lernt er es eben auf die harte Tour. Aber auch hier, sinnlose Vergeudung von Lebens- & Arbeitszeit. Ich hätte so viel schaffen können.

Typ C, die Kollegen können manchmal ganz schön den Ablauf aufmischen. Jede Abteilung hat ein eigenes Kreditkartengerät. Alles kontrollieren muss natürlich ich. Wenn aber das Gerät 0,00 €uro anzeigt, also keine Umsätze sind. dann kann es aber nicht sein, dass dennoch Belege vorhanden sind. Dann suchst Du ewig & drei Tage. Ende vom Lied, den Fehler habe ich natürlich gefunden, aber wieder waren 40min von meiner Lebens- & Arbeitszeit verbraucht, ohne Nutzen. Und nur, weil beim Kreditkartengerät der Tagesabschluß/Kassenschnitt durchgeführt wurde und die Belege davon auch noch im Müll gelandet sind. Und niemand sagt auch nur ein Wort davon.

Typ D, ich kann mal gar nichts alleine machen. Okay, dass man vielleicht nicht mit den neusten, seit vielen Jahren, Geräten und Optionen umgehen kann, da sage ich nicht mal etwas. Wenn Du jedoch, kein Witz, drei mal in Folge erzählst, wie der Gast in Wlan Netz kommen kann, und dies auch noch Idiotensicher, dann fehlt Dir die Kraft noch ruhig und sachlich zu bleiben. Gast kommt dann mit dem Gerät zum Front Office und dann zeige ich es, damit es beim vierten Mal auch klappt, wie Mensch ins Internet kommt. So simpel, so selbsterklärend das System. Und doch wird mir meine Zeit geraubt. Keine 10min später, wieder ein Anruf, und ich wollte schon ins Telefon brüllen, diesmal war es zu kalt im Zimmer. „Warum machen Sie denn nicht die Klimaanlage an?“ fragte ich freundlich. Stottern, wundern, aha, und wie? Gesagt wie und wo es funktioniert. Und tatsächlich, wieder 10min später, ein Anruf. Es würde beinahe zu warm sein im Zimmer. Da willst Du nur noch den Hörer samt Telefon durch die Lobby werfen. Herr im Himmel, dann bleibe ich aber ruhig und gelassen und versuche auch hier wieder zu helfen. Die Woche war eh schon Scheiße, warum jetzt damit aufhören?

Typ E, der Narzisst. So etwas wie ein Stammgast, seit Jahren, verbunden mit dem Zusatz leider. Leider kommt er immer wieder. Seine Firma hatte eine Reservierung angefragt, welche abgelehnt wurde, da wir komplett ausgebucht waren. Und, entgegen sonstiger Reservierung, sollte der Gast selber zahlen. Des Nachts steht der Narziss vor mir, er will sein Zimmer. Problem ist nur, wir haben keins. Der Hinweis, dass seine Firma bescheid weiß, dass wir ausgebucht sind, wischte er vom Tisch, es würde ihn nicht interessieren. Schon da hätte ich ihm am liebsten ein Kantholz übern Scheitel gezogen. Ganz Hamburg dicht, alle vorhandenen Reservierungen waren garantiert. Wenn einen anderen Gast ausquartieren, wohin? Fragen über Fragen. Und der Narzisst wichtigtuerisch mit dem Handy rumwedeln, Drohungen ausstoßen, dass alles Konsequenzen haben wird bla bla bla. Na und? Dann habe ich ein wenig gezockt, dem letzten Gast auf Anreise sein Zimmer weggenommen und gehofft, dass er vielleicht doch nicht anreist. Dem Narzisst das Zimmer angeboten, ein Raucherzimmer. Und natürlich geht so etwas überhaupt nicht. Nur, nehmen oder im Auto schlafen? Er nahm es dann doch, und ich hoffte, dass der Vormieter das Zimmer mal so richtig verpestet hat. Und dann ging es ums Bezahlen. Da er nicht wollte oder konnte, oder was auch immer sein Denken gewesen sein muss, da hat er des Nachts tatsächlich jemand aus seiner Firma rausgeklingelt, die eine Kostenübernahme geschickt haben. Da fragt man sich ja wirklich, wie wichtig er ist. Ich kann es Dir ja mal verraten: er ist so unwichtig wie Fußpilz. Denn jemand aus seiner Firma rief ein paar Minuten später bei mir an, entschuldigte sich und war geschockt von so einem Verhalten. Konsequenzen sollen folgen. Nun ja, ich werde es im Auge behalten. Auch sein Verhalten uns Mitarbeitern gegenüber. Denn dass man Narzisst sein kann, ist eine Sache, aber dazu noch ein Rassist? Aber dieses Thema wir noch mal gesondert behandelt. Denn Rassisten sind leider kein Einzelfall.

Typ F, mit dem dicksten Auto den kleinsten Preis oder gar nicht zahlen wollen. Ja, natürlich kann man mal seine Brieftasche mit allem verlieren, vergessen, was auch immer. Da macht das Auftreten schon etwas aus. Ein Kollege hat mal einen Gast ohne jegliche Absicherung eingecheckt. Einen Tag später kam der Gast und hat bezahlt. So weit, so gut. Das Problem ist, dass der Gast es immer wieder versuchte, und dank google etwas herum gesucht und natürlich fündig geworden. Es ist seine Masche, nichts im Hotel bezahlen zu wollen. Und damit kommt er bei uns nicht durch. Aber das protzen geht ja weiter. Stell Dir mal vor, jemand stellt sein Auto mitten auf einer Kreuzung ab und kümmert sich nicht mehr darum. Ja, genau so. Und so denkt der Typ eben auch. Aber dank der Abschleppdienste, oder nur der Ankündigung selbiger, parkt der Protzer kostenpflichtig in der Tiefgarage, auch wenn er dafür um kurz vor 2 Uhr wachgeklingelt werden musste.

Eine solche Woche im Jahr kann man verkraften. Aber wirklich nur eine Woche.

Herr Jens