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Au
nach so vielen Jahren ...
08.08.2022 15:41

... hat es mich erwischt.

Nach wie vielen Jahren, fragst Du? 20 Jahre, 11 Monate und 7 Tagen. Denn seit dem 01. September 2001 arbeite ich in diesem Hotel, und nie ist etwas passiert. Und plötzlich fällst Du auf die Fresse.

Da geht man jeden Arbeitstag so 20-30 mal diesen Weg. Denkt gar nicht darüber nach. Ich meine, ich muss ja nun auch nicht zum Atmen angelernt werden. Macht man einfach. Es ging ja auch so lange gut.

Gehe also des Nachts wieder von der Lobby zu meinem Front Office. Vom Parkett auf Teppich. Sehe etwas im Augenwinkel und dreh mich auf der Stelle um, stolperte und fliege auf die Fresse. An und für sich eine lustige Situation. Und es gibt auch nichts, was einem da am Lachen hindert, denn Slapstick und Schadenfreude, dies gehört einfach zusammen. Niemanden wäre ich böse gewesen, wenn gelacht worden wäre. Naja, vielleicht ein bisschen. Ich kenne mich ja.

Jetzt ist meine Flughöhe eher gering. Dafür aber gewichtig. Und es waren noch Gäste in der Lobby, war ja auch erst kurz nach 1 Uhr und in einer Samstagnacht. Sofort kamen sie angerannt, betüdelten mich und halfen mir hoch. Und ja, wenn man hinfällt, da tut einem schon mal was weh. Ist ja nun nicht wirklich überraschend. Daher alles okay. Möchte man meinen. Denn meine Schulter tat mir schon arg weh. Mehr als mir genehm war. Selbst in Ruheposition schmerzte es. Was also tun? Zähne zusammenbeißen und hoffen, dass es besser wird? Vom Prinzip her, ja. Doch es trat keine Verbesserung ein, wurde also nicht besser.

Ich rief meinen Kollegen an, der im Spätdienst arbeite, denn der mit im Nachtdienst war, konnte ich nicht alleine lassen. Kollege war nicht ganz happy, dass er wiederkommen sollte, aber ich war wohl überzeugend. Kurze Übergabe, viel hatte sich ja nicht verändert, und ich bin dann los. Next Stopp: Heidberg Krankenhaus, Zentrale Notaufnahme.

Es ist so ca. 01:45 Uhr gewesen, und es waren keine anderen Patienten in der ZNA. In einer Samstagnacht? Sehr ungewöhnlich. Mir konnte es nur recht sein, denn wir begannen sofort mit der Aufnahme, der Daten usw. Dann kam ich in einen Behandlungsraum, wo mir sofort ein Schmerzmittel verabreicht wurde. Und kurze Zeit später war es auch gut auszuhalten. Daher schon mal ein Pluspunkt. Und auch, dass sich eine Schwester sehr um mich gekümmert hatte. Der Arzt machte seine Anamnese und schickte mich dann auch gleich zum Röntgen.

Das Ende vom Lied? Schultergelenk 3x und Oberarm 1x gebrochen. Und frag mich bitte nicht, wie man so etwas anstellt. Bis auf die Info oben weiß ich es nämlich auch nicht. Weil ich natürlich ein Angsthase bin, geht einem alles Mögliche durch den Kopf. Ich hatte auf einen Gips gehofft, aber der Arzt sagte gleich, dass ich mir dieses abschminken könne, da muss unbedingt operiert werden. In meinem Kopf drehte sich mal wieder der Brummkreisel.

Man wollte mich gleich im Krankenhaus behalten, damit ich schnellstmöglich operiert werde. Aber da ich ich bin, ging es nicht so einfach. Ich wollte unbedingt erst mal nach Hause. Da ich ja keine Schmerzen mehr hatte, und sie haben mir auch genügend Ibu mitgegeben, falls doch noch Schmerzen auftreten sollten, ich hätte auch wieder in die ZNA kommen können. Um es schon mal zu verraten, es ging ohne Ibu und anderen Mitteln. Der Arm/die Schulter wurde mit einer Aircast fixiert, sodass ich praktisch auf rechts bewegungsunfähig bin.

Im Hotel kurz die Kollegen informiert, beim Bäcker was zum Essen gekauft und daheim mein Täschchen gepackt, damit ich am nächsten Tag, dem Montag, im Krankenhaus aufgenommen und operiert werden kann.

Die Nacht selbst was eher blöde. Nicht weil ich Schmerzen hatte, aber weil es mit dem Schlafen nicht wirklich klappte. Denn ich schlafe für normal auf der rechten Seite. Diese ist aber verletzt. Links zu schlafen, ist eher suboptimal. Und auf dem Rücken geht gar nicht. Doch im Sessel einzuschlafen, war dann noch die beste Option.

Nach einem kleinen #BreakfastForChampions bin ich also am Montagmorgen, 08. August 2022, zur Patientenaufnahme. Doch die OP war für dieses Tag noch gar nicht vorgesehen, da noch einige Untersuchungen usw. durchgeführt werden mussten.

- EKG

- PCR Test

- CT

- Blutabnahme, auch wegen meiner Diabetes

- Gespräch mit einer Chirurgin betreffs der OP, was wohl gemacht wird, wenn alles gut läuft, bzw. was zusätzlich gemacht wird, wenn es nicht so optimal laufen sollte

- Gespräch mit einer Anästhesistin bezüglich der Vollnarkose, Unverträglichkeiten und solcher Sachen, auch in Bezug auf meine Medizin, welche ich tagtäglich einnehmen muss

Dafür, dass ich ein Angsthase bin, war es dann doch ganz angenehm. Wasser, medium oder still, war ständig vorhanden. Man hätte auch in die Cafeteria gehen können. Doch da ich ziemlich schnell von einer "Station" zur nächsten geschleust wurde, also fast keine Wartezeiten hatte, kam ich gar nicht zur Cafeteria.

Im Abschlussgespräch wurde mir noch gesagt, dass ich mittwochs zur OP vorgesehen bin, muss Dienstag anrufen, um den Termin zu erfahren, bis wann ich nichts mehr essen darf und bis wann nichts mehr trinken. Und so bin ich dann mittags, mit meiner gepackten Tasche, wieder heim und gleich mal etwas zum Essen zu kaufen.

Da selbst kochen nicht wirklich eine Option war, war ich bei einem asiatischen Imbiss und bestellte mein Essen. Dort war eine Frau mit ihren zwei Kindern. Sie hatte auch eine Armverletzung und wir kamen ins Gespräch. Auch Heidberg, auch OP am Mittwoch. Zeugs eben. Du weißt schon, geteiltes Leid ist halbes Leid. Ja, klar.

Und so noch mal zwei Nächte daheim übernachten.

Herr Jens

Bilder dann auch wieder im nächsten Eintrag.

ich wurde ja berühmt ...
ein paar Tage später

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